Warum Pferdeflüsterer?

 

Als ich mich entschloss, eine eigene Homepage zu erstellen, tauchte als erstes die Frage nach dem Namen derselben auf.

 

Pferdekenner? Pferdeprofi? Pferdeversteher? Pferdetrainer? Horseman? Pferdeflüsterer? 

 

In Anlehnung an den Artikel „Der Pferdeflüsterer von Salzweg“ (in „Die Neue Woche“, Ausgabe 22/11, von Michael Gsödl) entschied ich mich für die Domain

                                           „www.pferdefluesterer-salzweg.de“.

 

Aber, was ist eigentlich ein Pferdeflüsterer?

 

Selten hat ein Ausdruck die Pferdewelt so entzweit wie dieser.

Die einen halten ihn für einen Guru, Scharlatan, Blender usw., die anderen für den Pferdemenschen schlechthin und vertrauen ihm blindlings. Das führt natürlich dazu, dass auch den zweifelhaften Elementen in der Pferdeszene Tür und Tor geöffnet wird. Diese sind meiner Meinung nach auch daran schuld, dass mittlerweile dem Begriff eher ein negativer Beigeschmack anhängt.

Ich glaube, beides trifft nicht den Kern der Sache.

Bekannt wurde der Begriff durch den wohl bekanntesten Pferdeflüsterer Monty Roberts aus den USA. Die Verfilmung des Romans von Nicolas Evans hat ihm zu dieser Berühmtheit verholfen, obwohl Monty sich ausdrücklich von den Methoden im Film distanziert hat.

Man kann von Monty Roberts und seiner Arbeit halten was man will. Ein Verdienst ist ihm jedoch unbestritten zuzuschreiben:

Durch ihn wurde in Europa der Umgang mit dem Pferd grundsätzlich revolutioniert und so manches Pferd hat dadurch ein besseres Leben erhalten.

 

Der Begriff stammt bereits aus dem 19. Jahrhundert. Angeblich wurde damals ein Pferdemann heimlich bei seiner Arbeit beobachtet. Der Beobachter sah, wie sich dieser Mensch über das Pferd beugte und ihm scheinbar etwas ins Ohr flüsterte. Was der Beobachter aber nicht sehen konnte, war, dass dieser Mann dem Pferd entweder ins Ohr biss oder ihm flüssiges Blei hineingoss (zwei damals weitverbreitete Methoden bei der Behandlung und Ausbildung von Pferden). Jedoch war der Begriff „Pferdeflüsterer“ geboren und wurde von nun an benutzt.

Die heutige Definition ist eine andere:

 

„Als Pferdeflüsterer bezeichnet man Menschen, die besonders gut mit Pferden umgehen können und dazu spezielle Methoden der Kommunikation verwenden.

Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, das Verhalten und die Körpersprache von Pferden zu verstehen. Daher sind eine gute Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen für sie Grundvoraussetzung. Das erlernte Wissen über die sogenannte „Pferdesprache“ wird genutzt, um mittels Gesten mit den Tieren in Kontakt zu treten.“

 

Pferdeflüstern ist also Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Über diese Kommunikation findet auch Erziehung statt.

Das Flüstern ist eine Art des stimmlosen Sprechens.

Ich versuche mit dem Pferd auf möglichst feine Art, mit minimaler Körpersprache, zu kommunizieren, so dass man diese Art der Kommunikation durchaus als „Flüstern“ bezeichnen kann.



Eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Mensch und Pferd kommt nur durch Kommunikation zustande.

Ich erlebe jedoch täglich, wie Menschen ohne Unterlass auf ihr Pferd einreden. Sie bemerken dabei nicht, dass sich ihr Pferd gedanklich und mit seiner Aufmerksamkeit längst von ihnen entfernt hat. In ihrer Konzentration auf das von ihnen Gesprochene bekommen sie auch nicht mit, wenn das Pferd mit ihnen in Kommunikation treten möchte und z. B. sagt: „Hallo, ich habe da vorne etwas Schreckliches entdeckt. Was sagst du dazu?“

Erhält das Pferd auf seine Frage keine befriedigende Antwort, wird es das tun, was ein Pferd in der freien Natur tun würde, nämlich Fliehen!

So kommt es immer wieder zu Missverständnissen und Unfällen und die Besitzer versuchen mir einzureden, dass ihr Pferd „aus heiterem Himmel“, „ohne jegliches Anzeichen“, „urplötzlich“ einfach durchgegangen ist.

Das war ganz sicher nicht so.

Das Pferd sendet vorher eine ganze Reihe feinster Signale (z. B. Ohrenspiel). Jedoch wenn wir sie nicht wahrnehmen, handelt das Pferd instinktiv. Als Fluchttier wird es zunächst über die Flucht sein Heil suchen.

Ist eine solche nicht möglich (z. B. weil es angebunden ist), wird es auch mit Aggression antworten.

 

Seid euren Pferden nicht böse, wenn es zu solchen Situationen kommt.

Ein Pferd macht nämlich aus seiner Sicht immer alles richtig.

Arbeitet lieber an der Kommunikation zwischen euch und eurem Pferd.

 

Ständiges Einreden auf das Pferd ist nicht Kommunikation, sondern der Monolog eines Menschen, der sein Pferd nicht zu Wort kommen lässt.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie während eines Treffens mit einem Bekannten kein Wort sagen könnten, weil dieser ständig redet und Sie für ihn eigentlich Luft sind? Irgendwann werden Sie dem Monolog nicht mehr folgen und sich in Ihre eigene Gedankenwelt zurückziehen. Sollten Sie dann doch einmal angesprochen werden, verpassen Sie ganz sicher Ihren Einsatz.

Genauso geht es Ihrem Pferd!

Es muss also eine wechselseitige Kommunikation stattfinden.

 

Deshalb: Sprechen Sie möglichst wenig mit Ihrem Pferd. Glauben Sie mir, es versteht kein Wort von dem, was Sie sagen!

 

Außerdem müssen Sie Ihrem Pferd eine Grunderziehung angedeihen lassen. Dies geschieht am besten vom Boden aus während des täglichen Umgangs mit Ihrem Tier. Hier ist es Ihnen am leichtesten möglich Ihr Pferd zu erziehen und auf dieses adäquat einzuwirken.

Die Erziehung Ihres Pferdes erfolgt über Konditionierung.


Konditionierung ist das Erlernen von Reiz-Reaktionsmustern. In der Pferdeerziehung findet sowohl die „Klassische Konditionierung“ als auch die „Instrumentelle (operante) Konditionierung“ (Lernen durch Belohnung/Bestrafung) Verwendung.

Beide Arten der Konditionierung setze ich bei meiner Arbeit ein, hauptsächliche Verwendung findet jedoch die „instrumentelle (operante) Konditionierung“.



Klassische Konditionierung:

 

Klassische Konditionierung heißt, dass das Pferd ein bestimmtes (bereits bekanntes) Verhalten auf ein neues Signal hin zeigt.

 

Wenn z. B. Ihr Pferd durch ein Zupfen am Halfter rückwärtsgeht, können Sie zukünftig den Reiz mit einem Signal verknüpfen. Es wird jedes Mal das Kommando „Zurück“ gegeben, bevor man am Halfter zupft. Das Pferd wird lernen, dass auf das Signal „Zurück“ immer das Zupfen am Halfter folgt. Schon bald geht es auf das Stimmkommando rückwärts. Das Zupfen am Halfter kann fortan entfallen.

 

Operante Konditionierung:

 

Operante Konditionierung liegt vor, wenn das Pferd etwas Neues lernt und daraufhin ein bestimmtes Verhalten des Besitzers folgt. Als gebräuchliche Erziehungsmittel kommen Bestrafung oder Lob zum Einsatz.

 

Lernen durch Bestrafung:

 

Es ist mir wichtig klarzustellen, dass eine Bestrafung des Pferdes die absolute Ausnahme bleiben muss! Diese ist meiner Ansicht nach nur gerechtfertigt, wenn das Pferd eine Verhaltensweise an den Tag legt, die Leib oder Leben des Menschen in hohem Maße gefährdet oder verletzt (treten, beißen, umrennen)!

Selbst dies rechtfertigt aber immer noch nicht, dass Sie Ihr Pferd „verdreschen“. Mit Bestrafung meine ich allenfalls einen Klaps, der aber zum exakt richtigen Zeitpunkt (innerhalb drei Sekunden) erfolgen muss. Ausdruck und Ausführung hierbei müssen energisch sein und sollen dem Pferd vermitteln, dass es sich bei dem gezeigten Verhalten um ein Fehlverhalten aus Menschensicht handelt.

Wenn Pferde sich gegenseitig treten, hat dies meist keine größeren Auswirkungen. Für uns Menschen bedeutet ein Tritt aber häufig eine schwerwiegende Verletzung.

Strafe beendet ein Verhalten, es hat aber keinen dauerhaften, positiven Lerneffekt, wie ich ihn mir wünsche.

Natürlich kennt jeder ein Pferd, das von seinem Besitzer schlecht behandelt wird und trotzdem scheinbar willig das macht, was dieser von ihm fordert. Aber glauben Sie mir, dieses Pferd macht nur aus Angst, was von ihm verlangt wird (siehe hierzu „Erlernte Hilflosigkeit“). Das Pferd wird je nach Temperament immer wieder versuchen, dem Einflussbereich des Menschen zu entgehen. Diese Situationen bekommen Außenstehende in der Regel jedoch nicht mit und der Pferdebesitzer wird sie geflissentlich für sich behalten.

Aus diesem Pferd wird ganz sicher kein Verlasspferd.

Respekt und Vertrauen basieren nicht auf Gewalt, sondern auf Souveränität und Konsequenz!

Und ein Pferd, das Ihnen vertraut, wird (fast) alles für Sie tun!

 

 

Lernen durch Lob:

 

Dies ist mit Sicherheit die beste Methode, um einem Pferd schnell und dauerhaft etwas beizubringen.

 

Hierbei spielen zwei weitere Begriffe eine wichtige Rolle. Die positive Verstärkung und die negative Verstärkung.

 

Positive Verstärkung ist, wenn auf ein gewünschtes Verhalten des Pferdes eine positive Reaktion in Form eines Lobes erfolgt (z. B. Leckerli, Streicheln, mit Stimme loben).

Eine Futtergabe hat wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge nur dann den gewünschten Erfolg, wenn längere Zeit vorher kein Futter verabreicht wurde. Der Lernerfolg bleibt demzufolge bei zu häufiger Futterbelohnung aus.

 

Negative Verstärkung ist, wenn ich bei der Arbeit mit dem Pferd etwas Negatives (z. B. Druck, den ich zuvor aufgebaut habe) wegnehme, sobald das Pferd die gewünschte Verhaltensweise zeigt. Dazu gehört auch, die Arbeit zu beenden, wenn etwas super funktioniert hat. Denn es gibt für das Pferd als Energiesparer und Herdentier keine größere Belohnung, als mit der Arbeit aufzuhören und es zu seinen Kumpels und seinem Fressen zu entlassen.



In diesem Zusammenhang möchte ich noch kurz auf das stark umstrittene Thema „Leckerlis bei der Pferdeerziehung“ eingehen.

 

Ich selbst halte den Einsatz von jeglicher Futterbelohnung für problematisch. Man muss sich nämlich im Klaren sein, dass bei Pferden, im Gegensatz zu Raubtieren (Hunden, Greifvögeln u. a.), der Futtertisch vor den Hufen liegt. Pferde würden sich also bei ihren Weidegängen (viele Stunden täglich) ständig selbst belohnen. Und eine Belohnung, die immer zur Verfügung steht, verfehlt ihren Sinn.

Das Pferd macht etwas nicht für Sie, sondern für ein Leckerli (d. h. das Tier orientiert sich am Futter), welches dann auch teilweise mit recht krassen Mitteln eingefordert wird. Die Pferde zeigen abverlangendes Verhalten. Wenn Sie diesem Verlangen nachgeben ist das ein klassischer Fall von „Pferd dressiert Mensch“.

Ein Pferd schätzt nicht den Futterlieferanten am meisten, sondern denjenigen, der Führungsqualitäten vorweisen kann (siehe Leittier). Und wenn Sie immer das tun, was Ihr Pferd verlangt/fordert, mangelt es Ihnen ganz sicher an diesen. Deshalb wird das Pferd Sie auch nicht respektieren.

Aus Pferden, die für jegliches Verhalten ständig belohnt werden, werden ebensowenig Verlasspferde wie aus den „schlecht Behandelten“!

Auch hier wird Ihnen der Pferdebesitzer die damit verbundenen Probleme (z. B. Durchgehen beim Ausreiten) geflissentlich verheimlichen.

Ein absolutes Tabu jedoch ist Futter als Lockmittel.

Auf diese Art machen Sie sich zum manipulierbaren Futterautomaten und erziehen ihr Pferd zum Bettler.

 

Die Enttäuschung ist dann umso größer, wenn das Pferd plötzlich beim Verladen wie festgewurzelt vor dem Hänger steht und die vors Maul gehaltene Futterschüssel völlig ignoriert oder trotz entgegengestreckter Karotte nicht bereit ist, sich von der Weide holen zu lassen.

 

Bei mir gibt es als Lob nur die streichelnde Hand und als höchstes Lob die Beendigung der Arbeit.

 

Ansonsten bin ich mit Lob eher sparsam. Denn welchen Anreiz, etwas gut zu machen, soll ein Pferd denn haben, das ständig mit Lob (Streicheleinheiten, Leckerli usw.) überschüttet wird?

Wer sein Lob bekommt, ohne etwas dafür tun zu müssen, wird sich auch nicht anstrengen.

Pferde, die ständig mit Lob überhäuft werden, zeigen eine geringe Frustrationstoleranz.

 

Außerdem ist es extrem wichtig, dass sowohl Strafe als auch positive und negative Verstärkung sehr präzise (unmittelbar) angewandt werden. Pferde können eine Verknüpfung zwischen Reiz und Reaktion nur in einem Zeitraum von 3 Sekunden herstellen. Erfolgt die Belohnung oder die Bestrafung später, weiß das Pferd nicht mehr für was es bestraft oder belohnt wird.

Es kommt also auf das richtige Timing an!

Auch müssen Ihre Anweisungen klar und verständlich (verständlich aus Sicht des Pferdes!) sein. Wenn das Pferd nicht weiß, was Sie von ihm wollen, kann es auch nicht zu Ihrer Zufriedenheit handeln.

 

 

Natürlich kann ich kurzfristig auch mit Gewaltmethoden zum Ziel kommen.

Aber Gewalt führt zu Frustration und Frustration führt letztendlich zu Stress und Aggression.

Stress wiederum ist krankmachend.

 

Es lohnt sich also in jeder Hinsicht, den gewaltfreien Weg zu wählen. Eventuell wird es mehr Zeit in Anspruch nehmen, dafür haben Sie aber auch einen langfristigen (dauerhaften) Erfolg.

Ihr Pferd wird es Ihnen mit Gesundheit und Zufriedenheit danken. Und ein gesundes, zufriedenes Pferd hat einen zufriedenen Besitzer zur Folge.

 

Kurz zusammengefasst gilt folgendes:

 

Aufmerksamkeitheischendes Verhalten sollten Sie ignorieren, übergriffiges unterbinden, erwünschtes im Gegenzug belohnen!

 

"Kein Mensch besitzt das Recht einem Lebewesen zu sagen: Du tust was ich dir sage, oder ich werde dir weh tun“.